Der Raum dazwischen

Ein Haus – wir haben es unzählige Male betreten und wir glauben, alles was in dem Haus ist zu kennen. Haben wir es doch tausendmal gesehen und sind durch die immer gleiche Eingangstür gegangen. Doch dann sehen wir ein Foto von einem kleinen Detail, perspektivisch verfremdet, in einem uns so vertrauten Raum in diesem Haus und haben das Gefühl, es noch nie zuvor gesehen zu haben – so anders, so neu, so fremd, so erstaunlich erscheint uns diese Perspektive auf das Vertraute. Ist das wirklich das Haus, das ich kenne? Ist das derselbe Ort, an dem ich schon war? Ist das wirklich der Baum an der Ecke? Es ist und es ist nicht - und das Dazwischen, das ist es, was die Fotos von Rendel Freude zeigen.

Der Raum zwischen dem Vertrauten und dem Fremden, zwischen Nähe und Distanz, zwischen endlich und unendlich. Und durch diese Sicht auf die Dinge, die sie mit ihrer Kamera kreiert, schenkt sie uns die Möglichkeit, alles was ist, neu zu betrachten, unsere Wahrnehmung zu hinterfragen und zu erkennen: So wie ich die Dinge sehe, sind sie nur zum Teil. Es ist immer nur ein kleiner Ausschnitt, den ich erfassen kann. Und um mehr zu erkennen, tiefer zu gehen, muss ich meine Perspektive wechseln, anders schauen. Das ist es, was gute FotografInnen schon immer ausgemacht hat und warum wir diese Perspektiven brauchen. Denn nur so können wir das für uns Unsichtbare sehen, das Versteckte entdecken, Verbindungen knüpfen, Wurzeln erfassen.

So lässt sich das Gefühl beschreiben, wenn man die Fotos von Rendel Freude betrachtet. Ihr Blick auf die Dinge, die da sind, ist so bemerkenswert, dass die Dinge uns gleichzeitig vertraut und fremd erscheinen und uns herausfordern die Welt, unsere Welt, neu zu sehen.

Diese Sicht zieht sich durch alle Fotoarbeiten von Rendel Freude – ob in ihren eindrücklichen Portraits und Reisebeobachtungen, in ihren abstrakten und experimentellen Arbeiten oder in ihren Bildern von Häusern und Räumen.

Den Raum dazwischen sichtbar machen. Das ist die Kunst von Rendel Freude.